Logo Geheim 2/1999

Schattenkrieg gegen Hitler
Das Dritte Reich im Visier der amerikanischen Geheimdienste 1941 bis 1945

Christof Mauch: »Schattenkrieg gegen Hitler - Das Dritte Reich im Visier der amerikanischen Geheimdienste 1941 bis 1945«, DVA, München 1999, DM 49,90.

Eine gekürzte und leicht überarbeitete Habilitationsschrift von 1997. Davon sollte sich aber niemand schrecken lassen. Trotz wissenschaftlicher Gründlichkeit (alleine 108 Seiten Anmerkungen) handelt es sich um ein spannendes und anschaulich geschriebenes Werk.

In den 80er Jahren hatte die amerikanische Regierung beschlossen, einen großen Teil der Aktenbestände der CIA-Vorgängerorganisationen COI (Coordinator of Information) und OSS (Office of Strategic Service) für die Forschung freizugeben. Christof Mauch, Stellvertretender Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Washington D.C. und Privatdozent an der Uni Köln, verschaffte sich einen umfassenden Überblick über die Aktivitäten des amerikanischen Kriegsgeheimdienstes.

Im Washingtoner Nationalarchiv mußten mehr als zwei Kilometer Geheimdienstakten ausgewertet werden. Hinzu kamen OSS-Materialien aus Nachlässen und Akten von Militär- und Präsidentenarchiven, sowie erstmals die ,Interview Collection' des vom »Study of Intelligence« geförderten ,OSS Oral History Projects'.

Mauch beschreibt ausführlich konkrete und verworfene OSS-Geheimdienstprojekte, untersucht ihren praktischen Nutzen und Auswirkungen auf politische Entscheidungen der amerikanischen Administration. Und es wirft ein Licht darauf, weshalb u.a. die CIA so entstanden ist, wie wir sie heute kennen (Seite 301, »Das Erbe des OSS«): »In der Tat bestimmten diejenigen Kreise die Physiognomie der CIA, die während des Krieges im OSS ein Faible für verdeckte Operationen entwickelt hatten (...) So kam es zu einer paradoxen historischen Entwicklung. Obwohl die Einsätze von Geheimdienstagenten in Nazideutschland und die schwarzen Propagandaoperationen des OSS im ganzen eher experimentell und dilettantisch durchgeführt wurden, begründeten sie eine Tradition der subversiven Kriegführung, die während des Kalten Krieges weiter um sich griff und immer mehr Geldmittel verschlang.«

Kritik am Buch: In einigen Punkten scheint Mauch zu sehr aus der Distanz zu beurteilen, zieht sich auf die Ebene des Zitierenden zurück, ohne das Geschriebene einzuordnen. Auf Seite 286 geht es um die Rolle, die Allen Dulles [Berner OSS-Chef und späterer CIA-Direktor, C.H.] dem NS-Juristen und späteren Adenauer-Staatssekretär Hans Globke zeitweise zugedacht hatte. Dieser »gehörte zu Dulles' Kandidaten fürs [deutsche, C.H.] Innenministerium. Der OSS-Chef glaubte offensichtlich - wie später übrigens Konrad Adenauer (...) - daß der ehemalige Verwaltungsjurist im NS-Ministerium die Maßnahmen Hitlers gemildert hatte.« Adenauer und Dulles gemeinsam im guten Glauben? Wer glaubt heute noch an die unbefleckte Empfängnis?

C.H.


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