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Rezensionen + Buchvorstellungen + Büchertips
RechtsSchreiber

»RechtsSchreiber. Wie ein Netzwerk in Medien und Politik an der Restauration des Nationalen arbeitet«. Autoren: Barbara Junge, Juli Neumann und Holger Stark, herausgegeben von Jens Mecklenburg, 224 Seiten, Paperback, DM 29,90; Antifa-Edition bei Elefantenpress

Schon im Vorfeld, bevor die »RechtsSchreiber« die Buchhandlungen und Redaktionen erreichten, gab es um diese brisante Neuerscheinung einigen Wirbel. So versuchte der persönliche Referent der Intendanz des Senders Freies Berlin, Ansgar Graw, mit einer Einstweiligen Verfügung das Erscheinen des Buches in seiner ursprünglichen Fassung zu verhindern und setzte sich vorerst in zwei von drei Punkten durch; dementsprechend kam das Buch an diesen Stellen geschwärzt auf den Markt. Auch diese Schwärzungen mindern nicht die Brizanz des Buches, im Gegenteil, denn eins ist klar: Manchen Vertretern aus Medien und Politik gefällt es ganz und gar nicht, daß drei JournalistInnen nicht nur deutsche Artikel, Reden und Gesprächszirkel, sondern dabei auch - nach sorgfältiger Recherche - Namen nannten. Ihr Resumee: Eine neue politische Strömung drängt nach vorn und streitet wortgewaltig um die Meinungsführerschaft im öffentlichen Diskurs: die »Neuen Konservativen«. Die heterorgene Strömung umfaßt die alte wie die neue Rechte, reicht vom rechten Rand der FDP und der CDU über gewendete Linke und etablierte Medien bis hin zu den Rechtsextremisten. So empfehlenswert dieses Buch auch ist, wollen wir doch nicht den Wehrmutstropfen verschweigen, der sich in dieses Glas Wein geschlichen hat. Allzuoft zitieren die AutorInnen aus Quellen und Papieren von Staatsschutz und sogenanntem Verfassungs-«schutz«, um ihre - ohnehin gut recherchierten - Argumentationsketten noch weiter zu untermauern. Dies birgt die Gefahr in sich, daß jene Geheimdienststrukturen der BRD, die aus den nazistischen nahezu ungebrochen entstanden, und eine permanente Gefahr für jede demokratische Entwicklung in der BRD darstellen, hoffähig gemacht werden. Damit würde dann der Bock zum Gärtner gemacht werden

Amok

»Amok«. Ein Roman von Harry Thürk. 526 Seiten, DM 29,80, Verlag Das Neue Berlin. Der Autor zur Neuausgabe von »Amok«: »1979 leitete mir ein Mitarbeiter von Amnesty International einen Kassiber eines meiner besten Freunde, des in Sumatra beheimateten Lyrikers Sitor Situmorang zu. Auf dem zerknitterten Papier, etwa in Größe einer Zündholzschachtel, stand: »Bin zu 10 Jahren KZ auf der Insel Buru verurteilt. Hoffe zu überleben. Sei gegrüßt, Sitor.« Er überlebte. Sein »Verbrechen«: Er war 1965 gegen die Errichtung der Militärdiktatur gewesen, die Indonesien bis heute regiert. Die Generäle gingen unbarmherzig gegen jede Opposition vor und zeigten der Welt, wie sie politische Unterwerfung endgültig zu machen gedachten. Heute, nach mehr als dreißig Jahren, die das Militärregime Indonesiens mit stillschweigender Billigung der 'großen Demokratien' überstanden hat, signalisierten die neuesten Meldungen aus dem Land der tausend Inseln, daß die Enkel der Generation Sitors das weiterführen, was die Großeltern begannen. Geschichte wiederholt sich nicht. Aber es gibt stets Ähnlichkeiten zwischen dem Damals und dem Heute. Deshalb habe ich zugestimmt, 'Amok', 1974 zum ersten Mal erschienen, neu herauszugeben, und zwar unverändert.«

Das Buch ist spannend geschrieben, ohne ein historischer Abriß sein zu wollen, beschreibt es doch anschaulich die Kumpanei zwischen CIA und den putschenden faschistischen Generälen, die bis heute an der Macht sind und buchstäblich über hunderttausende von Leichen gingen. Putschgeneral Suharto ist heute noch an der Macht und »Freund« von Helmut Kohl...

Killer aus dem Katalog

»Killer aus dem Katalog« von Peter Niggl. Verlag Das Neue Berlin, 1996. Der Autor Peter Niggl dürfte manchen langjährigen LeserInnen von GEHEIM bereits bekannt sein; er enthüllte in unserem Magazin in den 80er Jahren die Verquickung von organisiertem Verbrechen und politischem Terrorismus, z.B. an einem geplanten Mordanschlag gegen den libyschen Revolutionsführer Ghadafi. Mit seinem Buch »Killer aus dem Katalog« setzt Peter Niggl diese Tradition des investigativen Journalismus fort, diesmal in Buchform. Auftragsmorde kannten Bundesbürger bisher nur aus guten oder schlechten Krimis, zumeist aus den USA, oder der Boulevardpresse, die mit zumeist blutigen Schilderungen dieser Art aus den USA oder Sizilien ihre Auflagen hochtreiben konnten. Peter Niggl weist mit 40 dokumentieren Fällen nach, daß die Krimis auch in der Bundesrepublik Realität sind. Es gibt inzwischen auch hier ein Gewerbe von »Auftragskillern«; bleibt sich am Ende nur noch schauernd zu fragen, wann und ob sich die Geheimdienste auch in der BRD einmal diesem Gewerbe zur Durchsetzung ihrer Ziele bedienen werden ...


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